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"Permanent Record" von Edward Snowden

Abigail Rook Author
30 März 2020
Der Inhalt der PRISM-Dokumente ist nicht nur durch Corona so gut wie vergessen. Auch vorher hatte man nur noch wenig über die amerikanischen Geheimdienstmachenschaften gehört, die nach der Veröffentlichung durch einen Journalisten die Schlagzeilen im Jahr 2013 und darüber hinaus dominierten. Dass wir uns kaum noch an den NSA-Skandal erinnern können ist gewollt, denn es wurde und wird sehr viel unternommen, um uns weißzumachen, dass die ungeheuerlichen Enthüllungen des jungen Geheimdienstmannes Snowden bereits Geschichte wären.

Alles abgehakt. Nicht mehr der Rede wert.

Dabei hat sich noch nicht einmal unter Präsident Obama wirklich etwas geändert. Dass ein D. Trump viel Wert auf die konstitutionell verankerten Bürgerrechte der Amerikaner oder gar auf die Rechte von Nicht-US Bürgern legt, glaubt sicher auch niemand. Alles, was Edward Snowden in seinem Buch beschreibt, wird somit genau in dieser, oder einer noch effizienteren Form, fortgeführt. Wir werden alle weiterhin überwacht, analysiert, in Schubladen eingeordnet und, wenn es ganz dumm kommt, ausgeschaltet.
 

Das ist zusammenfasst die Botschaft dieses Werkes.

Wir sind diesem jungen Mann Dank schuldig, dass er sich für unsere Freiheitsrechte in Gefahr gebracht hat, auch wenn er letztlich nichts erreicht hat. Dabei wäre Edward der Letzte, der diesen Dank einfordern würde. Seine Erzählweise ist das ganze Buch über erstaunlich unprätentiös, selbstreflektiert und selbstkritisch. Und doch gelingt es ihm, diesen gewissen Charme zu versprühen. Dieses Augenzwinkernde, das ich aus einigen Interviews bereits kannte. Ja, der Mann ist sympathisch und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Diskussionen mit ihm sehr kurzweilig, unterhaltsam und tiefgründig zugleich sind. Selbst seine Jugenderinnerungen haben mich nicht gelangweilt – im Gegenteil. Er hat es geschafft, mir seine Persönlichkeit näherzubringen. Ich habe ihn dadurch kennen- und einordnen gelernt. Interessanterweise war (und ist) Edward Snowden nämlich alles andere als ein Revoluzzer, der sich todesmutig gegen das böse System stemmt. Dafür ist er zu wenig Narzisst. Er ist auch kein Moralapostel, kein Robin Hood, noch nicht einmal ein Guy Fawkes. Edward wollte seinem Land dienen und sein Hobby zum Beruf machen. Er hat an das System geglaubt und die ersten Jahre auch brav seine Pflicht erledigt. Auch jetzt unterstellt er ihm noch keine intrinsische Boshaftigkeit. Er sieht den Geheimdienstapparat der USA aber als dysfunktional, korrumpiert, ja unkontrollierbar an und erklärt sehr detailreich und konklusiv, wie er zu dieser Meinung kam.Ich habe seine Autobiographie gern gelesen und viel daraus gelernt.

Mister Snowden, Sie haben mich beeindruckt.

Abschließend noch ein Kommentar zu den vereinzelten negativen Rezensionen auf Amazon. Ich meine nicht die, die dieses Buch als langweilig beschreiben. Das kann man verstehen, sowas ist nicht jedermanns Sache. Ich meine die EXTREM ausführlichen, die hoch spitzfindig mögliche Fehler und Halbwahrheiten gefunden haben wollen, ihm damit quasi persönlich den Prozess machen und ihm vor allem unlautere Motive unterstellen. Woher der Hass? Und warum soll ich euch glauben und nicht ihm? Ihr könnt ja ein Buch drüber schreiben.
Fünf von Fünf Sternen
  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Macmillan; Auflage: Airport- (17. September 2019)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 152903566X
  • ISBN-13: 978-1529035667
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 18 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 15,3 x 2,8 x 23,4 cm




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