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Das Institut von Stephen King

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von in Rezension · 30 Januar 2020
Tags: Rezension:dasInstitut
Vorweg: ich bin ein King-Fan und habe die frühen Werke alle gelesen. In den letzten Jahren konnte er mich aber nicht mehr abholen. Lediglich 11/22/63 fand ich gut.

"Das Institut" wird aktuell ordentlich gehypt, bekommt eine Menge freundlicher Kritiken und scheint vielen Lesern zu gefallen, wenn man so die Rezensionen anschaut. Ich frage mich nur, ob ich tatsächlich dasselbe Buch gelesen habe. In meiner Geschichte werden Kinder entführt, weil sie telekinetische oder telepathische Fähigkeiten haben. Dabei werden in der Regel ihre Eltern umgebracht. Die Kinder werden in ein Gefängnis gesperrt, in dem sie in Kopien ihrer Kinderzimmer wohnen und sich Zigaretten und Alkohol durch Duldung von Experimenten an sich selbst verdienen. Die Kinder finden das nicht so toll, machen sich aber sonst kaum Gedanken darüber, was mit ihnen passiert ist, was ihnen blüht und was das alles soll. Manche (die schlauen) vermuten sogar, dass ihre Eltern umgebracht wurden und dass ihnen ein ähnliches Schicksal droht, brechen aber nicht Panik aus oder verkriechen sich heulend in dunkle Ecken, sondern spielen quietschvergnügt Basketball oder Schach (die ganz schlauen).
Die Wärter behandeln die Kinder wie den letzten Dreck, nur eine Putzfrau nicht. Die hilft den Jungs, weil sie Krebs hat und das Gewissen sie beißt. Deshalb kann der superschlaue Hauptheld fliehen, indem er sich unter dem Zaun durchbuddelt (was für ein Geistesblitz!), nimmt aber seinen hochbegabten und leicht autistischen neuen Freund nicht mit, der locker ebenfalls durchgepasst hätte, vermutlich, weil den King noch für das Finale der Geschichte brauchte. Am Ende gibt es dann einen Cop-Out in einem kleinen Nest, der an einen Spaghetti-Western vom Feinsten erinnert.
Zu allem Überfluss ist auch noch der Schreibstil eine milde Katastrophe, auch wenn das möglicherweise an der Übersetzung liegt. Ich verehre King eigentlich für seinen direkten, nie verschnörkelten oder aufgesetzt wirkenden Stil. Den zieht er auch in dieser Geschichte weitgehend konsequent durch. Wirklich haarsträubend waren aber die Dialoge  - und das fand ich ungewöhnlich. Stephen King kann doch Dialoge schreiben! Warum liegt er dann in dieser Geschichte so sehr daneben? Nie konnte ich mich darin verlieren und quasi "hören", wie sich die Kinder unterhielten, weil mir die Augen vom ständigen Rollen wehtaten. Keines der Kinder wirkte auch nur ansatzweise authentisch. Auch die gewählte Perspektive stimmte oft nicht. Die Antagonisten wirkten - auch durch die personale Erzählweise - wie Karikaturen. Ihre Gedanken waren oft kindisch und völlig unlogisch. King hätte hier neutraler erzählen sollen, denn durch den Blick in die Köpfe der Bösewichte wurde mir jegliche Furcht um die Kinder genommen. Die Bösen waren doch auch nur Dummköpfe.

Schade, ich hatte mich wirklich auf das Buch gefreut. Wahrscheinlich war das mein letztes "neues" King Buch.
Der Meister wird alt.

Fazit: 2 von 5 Sternen (mit Augenzudrücken)








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