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Das Mädchen im blauen Mantel von Monica Hesse

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von in Jugendbuch · 28 März 2020
Tags: Rezension
Das Mädchen im blauen Mantel:
 
 
Ich muss sagen, dieses Buch hatte von Anfang an etwas an sich, das mich in seinen Bann zog. Das kann daran liegen, dass von Beginn an nicht lang um den heißen Brei herumgeredet wird und das Geschehen recht zügig beginnt, aber auch an der Erzählerin Hanneke, die sowohl sympathisch als auch sofort zuordenbar ist. Der Einstieg ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen, der Leser kommt schnell ins Geschehen hinein, ohne direkt „reingeworfen“ zu werden. Bei mir hinterlässt der Direkteinsprung in eine Geschichte nämlich meist einen negativen Eindruck.
 
Nachdem es erstmal losgegangen ist, entwickelt sich die Handlung mit angenehmem Tempo. Anfangs hat man das Gefühl, etwa genauso viel zu wissen wie Hanneke. Dass sie jedoch ebenfalls Geheimnisse vor dem Leser hat, über die sie erst im Laufe des Geschehens bereit ist, sich zu öffnen, macht es interessant. Man begleitet sie bei ihrem inneren Kampf, ohne die genauen Hintergründe zu kennen.
 
Der Hauptgeschehensstrang ist die Geschichte des verschwundenen Mädchens. Wer Mirjams Schicksal schon von Anfang an als aufwühlend und entsetzlich empfindet – zu bedenken ist, dass es sich zwar um ein fiktionales Werk handelt, es jedoch zu einer Zeit spielt, in der solche Tragödien zum Alltag gehörten – der wird im Laufe der Geschichte leiden, denn es wird von Mal zu Mal mitreißender und immer schlimmer. Ich kann, ohne zu viel zu verraten, so viel sagen: Die Geschichte hangelt sich von Wendepunkt zu Wendepunkt, erreicht ungeahnte Tiefen und lässt den Leser mitfiebern, weinen und darüber grübeln, was wohl letzten Endes wirklich geschehen sein mag - wer welche Rolle gespielt hat, wie alles zusammenpasst. Und ich kann versprechen, dass das Ende auf eine erstaunliche Weise gleichzeitig rührend, tragisch und befreiend ist. Aber vor allem ist es, und das ist vielleicht das Wichtigste, auch sehr endgültig.
 
Dazu kommt die geschickte und spannende Verknüpfung der Geschichten von Mirjam und Hanneke (der Erzählerin), sowie der Handlungsstrang der Widerstandskämpfer um Olli, Judith und den anderen, der auch voller Schicksalsschläge und Wendungen ist, die zwar erschüttern, das Geschehen aber tragen oder es zumindest gut untermalen.
 
Ich komme aber nicht um etwas Kritik herum. Obwohl Hanneke die meiste Zeit sehr nah am Leser ist, oder zumindest an mir war, entfremdete sie sich mir manchmal, und das nicht nur durch ihre Geheimniskrämerei, sondern auch, weil sie Entscheidungen traf, die für mich persönlich einfach nicht nachvollziehbar waren und auch nicht wirklich zu dem passten, wie ihr Charakter bisher beschrieben worden ist. Natürlich war ich von der Episode mit Bas zutiefst getroffen und auch etwas schockiert, obwohl sie selbst Schuldgefühle deswegen hatte, aber auch danach handelte sie manchmal auf eine Art, die eigentlich nicht zu ihr passte. Man hatte das Gefühl, dass sie es hätte besser wissen müssen. Abgesehen davon werden die Schicksale einiger Charaktere hintenraus etwas vernachlässigt. Zumindest ich persönlich hätte gern mehr von ihnen gehört, was aus ihnen geworden ist beziehungsweise noch werden soll.
 
Zum Großteil war ich jedoch sehr bewegt und die Geschichte hat noch eine Weile nach Beenden des Buches in mir 'gearbeitet'.
 
 
Vier von fünf Sternen.




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