BuchBlog - Abigail Rook Author

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Der steinige Weg zum Erfolg

Abigail Rook Author
Veröffentlicht von in Allgemeines · 16 Juni 2020
Tags: eBookMarketing
Vorab: Ich bin kein Marketingexperte und habe mir alles, was ich hier schreibe, mühsam anlesen und erarbeiten müssen. Der Weg zur Erkenntnis war nervenaufreibend und teuer. Schweineteuer sogar…
Wer sich hierhin verirrt hat und das Thema dieses kleinen Beitrags interessant findet wird wissen, wovon ich rede. Alles klingt ja so einfach: Achte auf ein gutes Cover, einen ausdrucksstarken Titel und einen interessanten Klappentext. Der Leser muss neugierig auf dein Buch gemacht werden! Nutze die sozialen Medien intensiv. Versuche, so viele gute Rezensionen und Kritiken wie möglich zu bekommen. Nimm etwas Geld in die Hand und nutze die Reichweite von eBook-Promotion-Portalen, um über Preisaktionen neue Leser zu gewinnen. Versuche durch diese Maßnahmen im ersten Monat so hoch wie möglich in den Verkaufscharts zu steigen, um in die Empfehlungs-Listen von Amazon zu rutschen.

All diese Tipps hat jeder, der vorhat, ein eigenes Werk zu veröffentlichen, oder es bereits schon getan hat, hunderte Male gelesen. Alle Tipps sind für sich genommen auch richtig, aber völlig unbrauchbar. Denn die eigentliche Frage lautet doch: WIE zum Henker mache ich das denn jetzt genau?
Ich versuche im folgenden Text meine eigene Trial-and-Error Strategie zu beleuchten, die – wie oben schon erwähnt – eher von Error als Erfolg geprägt war.
Alles beginnt mit der Wahl des Vertriebspartners.
Elisabeth und ich haben jetzt drei Werke als Autorenteam veröffentlicht. Das erste Buch „Wintersonnenmädchen“ wurde Ende 2018 zunächst über EPUBLI, später dann über Amazon KDP (Kindle Desktop Publishing) publiziert. Ein Jahr später folgte „Nichts mehr wie es war“, das über BOD veröffentlicht wurde. Das letzte Buch „Der Kafir“ ist wieder ein Amazon KDP Produkt. Dieses Hin- und Her hat Gründe.
Jeder kennt die Marktmacht von Amazon, nicht jeder mag sie.  KDP-Bücher erhalten eine amerikanische ISBN und sind nicht im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) gelistet, werden somit nie den Weg in den stationären Buchhandel finden. Alles kein Problem, wenn man eh nur Online verkaufen will und eBooks das Hauptgeschäft sind. Blöd ist nur, dass Amazon-eBooks ausschließlich auf dem Kindle lesbar sind. Tolino-Besitzer schauen somit in die Röhre. Wieso sollte man sich dann an Amazon binden?
Der Vorteil der Konkurrenz scheint doch auf der Hand zu liegen: BOD und EPUBLI verkaufen ja auch auf Amazon (für Kindle) und ZUSÄTZLICH auf den Portalen von Hugendubel, Thalia und co. (für die anderen Reader). Sind diese Dienste damit nicht automatisch die bessere Wahl?

Die Antwort darauf ist so einfach wie ernüchternd: Nein, denn der Kindle hat keine Konkurrenz. Alle anderen Reader zusammen haben einen Marktanteil von max. 10%.  
„Wintersonnenmädchen“ haben sich bis jetzt ca. 600-700 Leser auf ihr Kindle geladen. Die Zahl der Käufer der EPUB-Version für Tolino und co. kann man hingegen an einer Hand abzählen.
Kleinvieh macht auch Mist, könnte man sagen und läge damit ebenso falsch, denn ich habe nicht die ganze Wahrheit erzählt. Als „Wintersonnenmädchen“ von EPUBLI vertrieben wurde, gab es kaum Interesse der Kindle-Nutzer. Niemand hat es gefunden, niemand hat es gekauft. Erst als wir zu KDP gewechselt sind und uns auch für „Select“, den exklusiven Amazon-Verkauf entschieden haben, wurde das Werk „erfolgreich“. Das mag ein perfider Schachzug von Amazon sein, war uns aber letztlich egal. Hauptsache, wir hatten endlich Käufer.
Was uns jedoch sehr gestört hatte, war der fehlende Taschenbuchabsatz. Auch wenn die Marge kleiner ist als beim eBook, so ist ein Taschenbuch doch was Besonderes, oder?
Deshalb entschieden wir uns beim nächsten Buch „Nichts mehr wie es war“ für BOD als Vertriebspartner. Der Service kostet 19,99€, eine deutsche ISBN und ein VLB-Eintrag sind dafür aber inklusive. Leider war mir nicht bewusst, dass jegliche Änderung am Cover oder Text erneut 19,99€ kosten würde und eine neue ISBN benötigt. Am Ende geisterten vier verschiedene Auflagen dieses Buches auf den diversen Verkaufsplattformen herum. Das absolute Chaos!
Ernüchterndes Fazit unserer Liaison mit BOD: wir haben ca 200 Taschenbücher und so gut wie keine eBooks verkauft und das trotz BOD Werbevertrag! Ich hätte das „falsche“ Marketingpaket gewählt, so die Antwort eines freundlichen BOD-BOTs auf meine Beschwerde hin. Das Ziel von „Branding“ sei nicht der Verkauf. Eine schwache Rechtfertigung für sage und schreibe NULL Verkäufe, finde ich. Die 275€ waren also für die Katz. Zusammen mit den 4x 19,99€ Servicegebühren und den verschenkten Rezensionsexemplaren liegt der Reingewinn bei summa sumarum -200€.
Kein Wunder, dass wir ziemlich angefressen waren und schlussendlich mit unserem aktuellen Buch „Der Kafir“ wieder bei KDP gelandet sind. Dieses Mal wollen wir alles richtigmachen: Leserunden VOR dem Verkaufsstart, strukturierte, geplante Werbeaktionen, Sonderpreiswochen und das alles im ersten Monat nach Veröffentlichung, denn da gilt das Buch noch als „Neuerscheinung“ und taucht in dafür vorgesehen Extralisten auf.
Im Gegensatz zu BOD kann der Vertriebspartner (in diesem Fall also ich) bei KDP Werbeaktionen selbst planen und hat viele Eingriffsmöglichkeiten. Cover- und Textänderungen kosten nichts, auch den eBook-Preis kann man bequem selbst festlegen und häufig ändern (bei BOD schreibt man eine Mail und hofft, dass irgendwann mal jemand antwortet und sehr, sehr viel später dann auch die Preisänderung umsetzt). Amazon bietet zudem eine interessante Option: das Buch für maximal fünf Tage im Quartal gratis anzubieten. Diese Aktionen haben eine erfreulich große Reichweite. Wer sein Buch schon mal auf der eigenen Homepage für lau angeboten hat, der weiß was es heißt, KEINE Reichweite zu haben. Auf Amazon kriegt man sein eBook auf jeden Fall los - zumindest, wenn man es verschenkt -, das kann ich versprechen.  Zu erwarten sind 50-1000 „Käufe“ pro Tag, je nach Genre. Sollte die Gratisaktion kaum Leser ansprechen, so wird es schwer werden mit dem Verkaufserfolg. Wer sollte das Buch kaufen, wenn er es noch nicht mal geschenkt haben will? In diesem Fall sollte Ursachenforschung betrieben werden. Spricht das Cover an, oder schreckt es eher ab? Gibt es auffällige Fehler im Klappentext? Macht er neugierig? Ist das Autorenprofil interessant genug? Um den Inhalt geht es gar nicht, denn die Leseprobe wird sich kaum jemand antun, denn kostenlos ist ja schließlich kostenlos.
Die Gratisaktion von „Der Kafir“ war erfolgreich, soviel kann ich schon mal sagen. Ca. 700 Downloads an zwei Tagen. Cover, Klappentext und co. wecken also Interesse. Schön! Im Vorfeld hatte ich meine Lovelybook Leser*innen wegen des Covers befragt, um etwas Feedback zu erhalten. Der allgemeine Tenor war sehr positiv. Auch der Klappentext hat die Leute offenbar angesprochen, denn eine Leserunde mit ausschließlich eBook-Exemplaren läuft auf Lovelybooks in der Regel eher mau, unsere aber nicht: von 20 Leser*innen haben jetzt schon 14 teilgenommen und eine Rezension geschrieben. Ein außergewöhnlich gutes Ergebnis! (Könnt ihr mir glauben. Ich habe schon viele Leserunden veranstaltet.)
Wer sich unsicher ist ob sein Cover anspricht, der sollte im Übrigen am besten andere befragen. Vor der Veröffentlichung hatte ich einige Coverentwürfe in diversen Facebook Foren gepostet und Einiges an Feedback erhalten. Zwei Entwürfe sind in der Tonne gelandet, obwohl sie mir beide gefallen haben. Als Autor kann man solche Dinge einfach nicht gut beurteilen. Man kennt ja den Inhalt des Buches und assoziierte ganz andere Dinge mit den Bildern auf dem Umschlag als der „ahnungslose“ Kaufinteressent.
Mein nächster Schritt war dann, ein Facebook- und Amazon-Werbefeldzug zu starten. Da ich hier völlig unbeleckt bin, liefen beide wieder eher suboptimal. Alles in allem war es aber zumindest lehrreich: viel hilft nicht immer viel, kostet aber VIEL Geld. Klicks konnte ich über beide Plattformen generieren, viele Verkäufe jedoch nicht. Wenn da einer einen guten Tipp hat...
Ich kann nur spekulieren, was für die niedrige "Conversionsrate" verantwortlich war.
Vermutlich ist es der fehlenden Verkaufserfolg. Das klingt jetzt paradox, aber das Phänomen ist den Verhaltenspsychologen bestens bekannt. Je erfolgreicher etwas oder jemand ist, desto attraktiver wird es/er. Wer auf eine Anzeige klickt und dann auf Amazon sieht, dass das Buch auf Verkaufsrang 500.000+ rumdümpelt und maue 3 Rezensionen aufweist, der behält wahrscheinlich sein Geld. Steht es hingegen auf einem vorderen Platz und ist in den Top 10 in relevanten Subkategorien, dann wird es attraktiv. So einfach ist das.
Nur, wie kommt man denn nun dahin?
 
Indem man wieder Geld ausgibt! Auch in Deutschland gibt es jetzt einige Anbieter, die ihre Reichweite zu Geld machen. Lesen.net, XTME, Buchdeals und co. sind nicht billig, aber sie liefern. Wer schnell viele Käufe haben will, der bekommt sie über diese Dienste recht zuverlässig. Eins sollte einem dabei aber klar sein. Wenn man am Ende gegenrechnet, hat man meist jedem Leser das Buch geschenkt und einen Euro obendrauf. Da man aber bei Amazon nicht einfach hundertmal das eigene Buch kaufen kann (man kann, aber der Algorithmus zählt es nicht), kommt man um solche defizitären Aktionen nicht herum. Der Effekt dieser Aktionen verpufft meist auch schon am nächsten Tag und man muss dann zusehen, wie man mit anderen Werbeformaten weitere Kunden akquiriert - die auch wieder VIEL Geld kosten.
 
Erfolgreich ist letztlich der, dessen Werk am Ende vom übermächtigen Amazon-Algorithmus als empfehlenswert eingestuft wird. Ab dann übernimmt nämlich der Weltkonzern deine Werbung und du kannst dich zurücklehnen und deinen Erfolg genießen. So heißt es zumindest.
 
Wäre es nur schon so weit…
 
Ob "Der Kafir" es schaffen wird, ist noch unklar. Bis jetzt läuft es aber ziemlich gut: Top 1000 gesamt, Top Ten in den Wunschkategorien. Aber wie lange sich das Buch dort hält, ist noch nicht entschieden.
 
Drückt uns die Daumen!!!



1 Kommentar
Durchschnittliche Bewertung: 114.0/5
FWH
2020-07-06 17:25:02
Facebook Ads bringen nicht viel und kosten in der Regel hauptsächlich das eigene Geld. Das Problem ist die Bezahlung nach Impressionen und nicht nach Klicks. Amazon Ads sind da günstiger, das nur die Klicks bezahlt werden und nicht die Impressionen. Es gibt aber da ein paar Tricks, ohne die man am Ende auch immer draufzahlt. Xtme und buchdeals sind okay, alles andere kann man sich sparen.
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